Tierschutz

Artenschutz l Jagd l Fallenfang l Zucht


EU Abkommen und artgerechte Fallenstandards

Am 22. Juli 1997 hat der Allgemeine Rat" der EU das von der Europäischen Union mit Kanada und Russland erarbeitete Rahmenabkommen über tiergerechte Fallenfangsysteme verabschiedet. Der Schweizerische Pelzfachverband SwissFur begrüsst diese Entscheidung.

Dies ist ein wichtiger und richtiger Schritt im Sinne des Tierschutzes. Das Rahmenabkommen schafft erstmals international bindende Standards für Fallen, die zur tiergerechten Jagd von insgesamt 19 Spezies benutzt werden, unabhängig davon, aus welchen Gründen diese Tiere bejagt werden. So wird der Schutz der Tiere signifikant verbessert, sowohl in Europa als auch in anderen Erdteilen.

Die zurückliegende Debatte, die einseitig auf das so genannte Tellereisen und auf Pelztiere (die nur zehn Prozent aller in Fallen gefangenen Tiere ausmachen) bezogen war, hat die tatsächlichen Gegebenheiten verschleiert. Worauf es ankommt ist, die Situation für die Tiere zu verbessern, die aus den verschiedensten Gründen mit Fallen gefangen werden müssen, wie zum Beispiel in Holland zur Bekämpfung der Bisamplage (vergleiche Thema Aktuell), bei zu dichten Tierbeständen oder zur Verhinderung von Krankheiten und Seuchen.

Die Pelzbranche hat ihre Verpflichtungen im Hinblick auf den Tierschutz dadurch bewiesen, dass sie gemeinsam mit den Regierungen Kanadas und der USA, bisher mehr als elf Millionen US$ in die Erforschung tiergerechter Fallen investiert hat. Das neue Rahmenabkommen ist Garantie dafür, dass die Erforschung und Einführung besserer Fangsysteme weitergeht und es schon bald zu praktischen Verbesserungen kommt.

Der SwissFur steht hinter dem Geist der EU-Fallenfangverordnung 3254/91, deren Ziel es ist, den Tierschutzaspekt auf dem Gebiet des Fallenfangs zur Geltung zu bringen. Es ist erfreulich, dass der Allgemeine Rat der EU sich dazu entschlossen hat, die Verordnung noch zu stärken, indem sie das internationale Rahmenabkommen verabschiedete.

Grundsätzliche Gedanken zum Thema Fallenjagd

Wildlebende Tiere werden vor allem in Kanada, USA und Russlad mit der Feuerwaffe oder der Falle gejagt. Wie funktioniert diese Jagd in der Realität?

Ein verantwortungsvolles Wildlife Management kann auf Fallen nicht vollständig verzichten. Unter Fachleuten ist die Notwendigkeit des Fallenfanges unbestritten. Fallen müssen zur Regulierung solcher Tierbestände eingesetzt werden, die anders nicht bejagt werden können. Zum Beispiel, weil sie nur nachts aktiv sind oder weil sie überwiegend im Wasser leben. Sie werden gejagt, um ausgewogene Populationen sicherzustellen, Krankheiten und Seuchen zu verhindern und um Schäden in der Natur, an Strassen, Dämmen, Deichen, im Ackerbau und in der Viehhaltung abzuwenden. Im übrigen bestreiten allein im hohen Norden Kanadas und der USA 80'000 Trapperfamilien die Hälfte davon Indianer und Inuits durch die Fangjagd mit Fallen einen Teil ihres Lebensunterhaltes. Der gut ausgebildete Jäger oder Trapper bildet sich ständig in Funktionsweise, Gebrauch von Waffen und Fallen sowie über die zulässigen Fangquoten weiter. Wildhüter prüfen diese Vorschriften.

Fallenfangsysteme sind heute tiergerechter als noch vor zwanzig Jahren. Die Pelzbranche setzt sich seit Jahren für die Weiterentwicklung tiergerechter Fallen ein. Sie befürwortet das Verbot von Fallen, an deren Stelle andere Fangsysteme existieren, die sich nach wissenschaftlichen Erkenntnissen als überlegen erwiesen haben.

In der EU werden jedes Jahr Tausende von Pelztieren gefangen. Der einzige Unterschied zu Nordamerika und Russland besteht darin, dass in Europa die meisten Pelztiere als Abfall weggeworfen werden, während sie in Nordamerika und in Russland als wertvolle Ressourcen betrachtet und rücksichtsvoll behandelt werden, weil sie Einkommen, Nahrung und kulturelle Kontinuität sichern.

In Nordamerika sind Pelztiere heute zahlreicher vertreten als vor 200 Jahren. Dies liegt an den vor Ort angewandten wissenschaftlichen Hege- und Schutzmassnahmen, die ein von der Regierung streng kontrolliertes Fallenfangverfahren beinhalten.

  • In Holland haben sich die Bisamratten derart vermehrt, dass Dämme, Kanäle und Hafenanlagen so beschädigt oder zerstört wurden, dass die Behörden die Bestände mit Fallenjagd unter Kontrolle halten. Im Jahre 1996 wurden durch Jäger 326'893 Bisamratten mit Fallen erlegt. (Neue Schwyzer Zeitung 30.08.97 „Diesen Krieg können wir niemals gewinnen" William Kole AP).
  • In Neuseeland wird dem Opossum, welches die Rindertuberkulose verbreitet, bei einem Bestand von ca. 70 Millionen Tieren mit Fallen intensiv nachgestellt. In Kanada wird der Waschbär ähnlich unserem Rotfuchs ein Kulturfolger bejagt, um die Verbreitung der Räude einzudämmen.

Die Tierrechtler haben in dieser Debatte bis jetzt noch keinen konstruktiven Beitrag hinsichtlich des Tierschutzes oder des Wohlbefindens der Tiere geleistet. Warum nehmen sie nicht etwas aus ihrem riesigen Vermögen und leisten damit ihren Beitrag zur Deckung der Forschungskosten für bessere Fallenfangsysteme. Die Pelzbranche unterstützt die verantwortungsvolle Behandlung von Tieren. Bedrohten oder gefährdeten Tierarten wird nicht nachgestellt. Es gibt In unserer Branche keinen Abfall alle Tierteile werden genutzt. Wir setzen uns für tiergerechte Fallenfangstandards ein und fordern eine Fortsetzung der Entwicklung modernster Fallenfangsysteme.

Der Bisam: Mitverantwortlich für Deichbrüche

Der Bisam, eine kaninchengrosses Nagetier mit kastanienbraunem Fell, ist an vielen Gewässern auch in Deutschland und der Schweiz anzutreffen. Er gilt als gefährlicher Schädling, ist aber gleichzeitig ein wertvolles Pelztier. In der letzten Zeit werden immer mehr amtliche Bekämpfungsdienste abgeschafft und die Bekämpfung auf die Gewässeranlieger abgewälzt. Eine im wahrsten Sinne des Wortes gefährliche Entwicklung, wie die Situation an der Oder 1997 zeigte. Der Bisam verursacht Schäden, indem er die Uferböschungen unterwühlt; diese können dann einbrechen. An wichtigen Uferbefestigungen insbesondere Deiche ist die Beseitigung der Schäden enorm kostspielig.

Der Bisam: Ein anpassungsfähiger Einwanderer

Der Bisam wurde 1905 in der Nähe von Prag ausgesetzt, um die heimische Fauna mit einem wertvollen Pelztier zu bereichern. Schon wenige Jahre später verursachten die Nachfolger in der böhmischen Teichlandschaft so hohe Schäden, dass die ersten bekämpfungsmassnahmen eingeleitet werden mussten. Heute ist bis auf die Teile von Schleswig-Holstein die gesamte Bundesrepublik besiedelt. Der Bisam ist sehr fruchtbar. Ein Pärchen bringt pro Jahr zwei bis drei Würfe mit bis zu 15 Jungen zur Welt. Er ist ein reiner Pflanzenfresser und lebt immer am Ufer von Gewässern. Der Eingang der selbstgegrabenen Baue liegt unter Wasser, der Wohnkessel darüber.

Der Bisam: Fang mit Fallen

Der Bisam wird von amtlichen Bisamjägern gefangen, in Deutschland jedes Jahr rund 400'000 Tiere. Die Bisamjäger sind bei den Landwirtschaftskammern fest angestellt. Daneben gibt es ehrenamtliche Privatfänger, die von den Bisamjägern ausgebildet werden. Die Privatfänger bekommen pro Tier eine Fangprämie. Für den Fang sind nur geprüfte und zugelassene Fallen erlaubt, die einen schnellen und schmerzlosen Tod gewährleisten. „Auch wenn der Bisam als Schädling gilt, sollte man doch Tierquälereien vermeiden", hört man immer wieder von Bisamjägern. Die Fallen werden mit einem Stück Apfel beködert und töten das Tier mit einem Schlag in den Nacken augenblicklich. „Wenn wir die Tiere schon fangen müssen, dann sollten sie auch verwertet werden", ist die einhellige Meinung der Bisamfänger. Für sie stellen die Einnahmen aus dem Verkauf einen bescheidenen Nebenverdienst dar. Aber den meisten geht es darum, die Felle zu verwerten, wenn sie schon anfallen.

Sie erhalten noch mehr Informationen zu diesem Thema bei:

- Fur Institute of Canada: www.fur.ca
- IFTF: www.iftf.com/today.html
- oder direkt bei uns: info@swissfur.ch

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